Mein vergessenes Meer.

Lange, lange Zeit war ich nicht hier - heute habe ich die Muse.

Zunächst - Danke für all die Worte, danke für die Mails, die Gespräche und die Denkanstöße.
Und dann: Eine Empfehlung.

'Imaginaerum' - Ein Film der... anders ist.



An sich geht es um einen Alzheimer-Patienten, doch hat mich das nicht recht packen wollen. Wer wissen möchte wie (m)eine persönliche Vorstellung von und auch Erinnerung an Depression aussieht, der möge sich diesen Film ansehen.

Ich habe ihn gesehen, mit Spannung, mit Ekel, zuletzt mit Angst und schließlich weinend, auf dem Schoß meines Freundes liegend.

Auf der einen Seite zerrte so erbarmungslos und alles überwältigend die Erinnerung an all das Erlebte und all die Trauer um das nicht mehr zu Erlebende an jeder Faser meines Herzens, meines Seins - auf der anderen Seite hielten die sanften Finger in meinem Haar und der warme Atem auf meiner Wange mich einem Anker gleich im Hier - zu Hause. Einem Zuhause voll von Wärme, Liebe und Verständnis.

Ich habe so lange nicht mehr geweint, so lange nicht mehr dieses allumfassende Nichts spüren müssen und so lange musste ich mich nicht mehr fühlen, als würde ich die letzten Schritte mit ihm gehen, als steckte ich in seinem Kopf.

Doch es tat gut, so gut, wieder in mein Tränenmeer einzutauchen, einfach wieder alles wegzuweinen, was da in mir rumorte.
Nach dem Film sah mein Freund mir in die Augen und den Bruchteil einer Sekunde musste ich mich entscheiden - Deckel drauf oder Deckel runter von der Trauer.

Nun, der Titel lässt es erahnen - Deckel runter und ganz weit weg.

Und tief unten, auf dem Grund meines Tränenmeeres durfte ich erneut bemerken: Die Wut ist wirklich fort.
Auch anderthalb Jahre später.
Mein Gott, der wohl größte Kraftakt meines Lebens. Monatelang stand ich da, mit einer, entschuldigung, Seelenkotzenschneeschaufel (manchmal auch nur ein Löffel) und habe geackert und gearbeitet.

Meine Wut ist nicht wie befürchtet erstickt oder versteckt oder begraben - sie bleibt wirklich weg. Weggeschaufelt.

Ihr lieben Menschen, ich denke so oft an all jene, die es nicht so glücklich getroffen haben wie ich - an die, die noch nicht verzeihen können oder wollen, an jene, die keine warmen Finger in ihrem Haar haben sondern ganz allein stark sein müssen, meistens jedoch: Allein stark sein wollen.

Wer kann es Euch auch verübeln? Euch hat ein geliebter Mensch allein gelassen, einfach so - es scheint der reine Wahnsinn zu sein, die Nähe und den Trost anderer zuzulassen, kann doch keiner sagen, dass sie bleiben.
Ich glaube nicht, dass ich viel mutiger oder dümmer bin als andere.

Ich habe nur einfach aus Protest beschlossen, das meiste Glück aus meinem Leben herauszuholen, das ich bekommen kann.
Vielleicht ist das meine Art von Wut - Trotz(dem).

Trotzdem glücklich sein.


Eine wundervolle Zeit euch allen.

2.11.14 19:41

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