Barfuß im Gras. Vom Stockholm-Syndrom und grünen Wiesen.

Explosionen, Weltensprünge. So ging 2013 wirklich gut los.

Der Boden unter meinen Füßen ist zusammengebrochen. Staubig-rissiger, bröseliger Boden. Steinhart und sandig.

Aber der Schmutz hat sich gelegt.

Tatsächlich bin ich dankbar dass ich aus dieser Welt herausgeprügelt wurde, nur beschämt es mich zugeben zu müssen, dass mein einziger Verdienst daran nicht etwa darin liegt mich selbst befreit zu haben, sondern lediglich darin, nicht zurück gekrochen zu sein, auch wenn ich den ersten Stein geworfen habe der die Trennung ins Rollen brachte.

Im Nachhinein lese ich alte Blogeinträge, schüttle den Kopf.
Wie sehr ich mich selbst in Watte gepackt habe, bis ich völlig stumpf geglaubt habe, was ich mir selbst schön redete.
Ich habe mich vor mir selbst erschrocken.
Viele Dinge, von denen ich überzeugt war ich täte sie für mich allein, aus Eigeninitiative, waren ein langweiliger Anpassungsversuch meinerseits an eine Welt in die ich, wie ich nun merke, überhaupt nie gehören wollte. Danach ist man eben immer klüger. Dass dieser Gedanke dem Selbstschutz erwuchs ("Du willst mich nicht, also will ich Dich auch nicht!") kann ich glücklicher Weise für mich ausschließen. Warum?
Nun, wer mir nicht bis hier her folgen kann, der sei auf den Eintrag "Ein Brief an Dich" verwiesen.


Meine Wüste hat sich also in ein Nichts aufgelöst durch diesen notwendigen Sturm.
Wer hätte ahnen können, was darunter liegt?

Denn nun stehe ich - überraschender Weise - barfuß im Gras.
Wie sehr ich das vermisst habe!

Im Studium komme ich voran. (Endlich hat sich ein Knoten gelöst!!)
Die letzten Prüfungen liefen gut, besser als erwartet. Strafrecht sogar zweistellig bestanden - wenn das mal nicht ein Schritt in die richtige Richtung ist!
Freude macht sich breit, wenn ich daran denke, dass die Uni bald wieder losgeht. Schön! Das darf so bleiben.

Ich gebe zu, es ist trotz allem eine enorme Erleichterung, dass die Studiengebühren abgeschafft wurden, immerhin bin ich ja noch immer der Meinung ich müsse mich weitestgehend allein finanzieren. Und dass ein Studienwechsel mich nun nicht völlig in den finanziellen Ruin stürzt ist doch gewissermaßen befreiend. Auch wenn ich glaube die Kurve fürs Erste gekriegt zu haben, die Resultate sprechen zumindest für sich. Aber ein Plan B ist auch etwas schönes!

Ich habe plötzlich so unendlich viel Kraft die ich in andere, schönere Dinge investieren kann. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt so glücklich gewesen bin.

Etwas irritierend - Schuld an diesem Glücklichsein trägt unter anderem mein Verflossener. Irgendwie zumindest.

Vielleicht erinnert der Ein oder Andere sich daran, vor ein paar Wochen schrieb ich in "Ein Brief an Dich" folgendes:

'Du weißt, dass ich daran glaube, dass man nichts im Leben umsonst tut und erträgt. Dass alles einen irgendwohin führt. Dass ich trotz allem an die Liebe glaube.
Dass ich daran festhalte, dass ich irgendwann irgendwo ankomme.'

Ich hatte eine wundervolle Zeit mit mir allein und meinen Freunden. Zweifelsohne. Ich habe gemerkt, wie viel ich ganz allein kann und wie viel ich mir selbst wert bin - auch ohne Partner. Nun hat es sich allerdings ergeben, dass ich gar nicht mehr ohne Partner bin.

Vor ein paar Monaten wollte die Schwester meines Verflossenen uns zu einem Doppeldate schleifen. Sie hat mir Bilder geschickt und erzählt und erzählt von dem Mann.
Zwar kam dieses "Date" nicht zu Stande (ein aus vollstem Herzen sarkastisch gemeintes "Danke!" an meinen Ex-Schwiegerdrachen in Spé), trotzdem ergab es sich, dass ich Kontakt zu ihm aufnahm.
Ironischer Weise um ihn nach seiner Ringgröße zu fragen, da ich mit dem Gedanken gespielt hatte meinem Ex einen Ring zu Weihnachten zu schenken. Prinzessin Egomania a.k.a die Schwester meines Ex' verwies mich an diese ihre bekanntschft, da die beiden wohl recht ähnliche Ringgrößen hätten.
Kurz darauf hatte sich die Sache zwischen seiner Schwester und besagtem Mann allerdings erledigt, der Herr verfügt zugegebener Maßen über eine sehr viel bessere Menschenkenntnis als ich und ließ sehr schnell die Finger von ihr.

Eine kurze Weile nach der Trennung nahm ich den Kontakt dennoch wieder auf - einfach zum quatschen.

Und nun, nun habe ich diesen wundervollen Menschen gefunden und kann mein Glück kaum fassen.
Er bringt mich zum lachen, zum nachdenken, zum die-Welt-umarmen-wollen.
Diesen Menschen, der mich ansieht und mir einfach nur sagt "du bist wunderschön."

Ich habe nie bezweifelt, dass ich jemanden finde den ich irgendwann auf eine Weise lieben kann, die nicht annähernd so destruktiv ist wie die Liebe zu meinem Ex es war.
Nur habe ich nicht erwartet, dass allein die Vorfreude auf die Möglichkeit dieser Liebe mich so viel glücklicher machen kann als ich je gewesen bin und erst Recht nicht, dass mich gerade diese sechs Jahre mit meinem Ex in die Arme des Mannes führen, der für eine solche Liebe definitiv in Frage kommt.
Ich fühle keinen Druck, keine Angst. Und wenn ich doch einmal unsicher werde - Himmel, ich kann es ihm einfach sagen und er nimmt mich in den Arm und sagt mir, dass ich es nicht zu sein brauche. Und ich glaube ihm.
Zum ersten Mal habe ich das Gefühl am Beginn von etwas ganz ganz Großem zu stehen und mich unsagbar darauf zu freuen. Und trotzdem habe ich es nicht eilig.

Ich bin glücklich. Ich bin unendlich glücklich. Und das nun schon seit einer ganzen Weile.

Meine Zukunft erscheint mir nicht mehr anstregend und voller Kämpfe. Ich habe gemerkt, wie viel ich alleine kann. Und wie es sich anfühlt, wenn es nicht nur noch ein "wir" gibt, sondern auch noch ein Ich.
Vor allem aber, wie schön es ist, wenn man beides hat.

Ich freue mich unsagbar darauf, zuzusehen und herauszufinden was aus dieser kleinen Pflanze in meiner neuen grünen Wiese wird.

Ich bin endlich angekommen. Zumindest für den Moment.

12.3.13 20:57

Werbung


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


el commandante / Website (12.3.13 21:38)
ich finde man kann beim lesen anderer blogs viel lernen. man profitiert. danke. du schreibst mit viel menschlicher wärme. ich wünsche dir nur das beste.

lg
thomas


el commandante / Website (12.3.13 23:33)
danke für deinen kommentar. weißt, manches mal will man jemand was mitteilen und es fehlen einem die worte. ich finde - das gesprochene wort sagt mehr aus. nein, hab mich sehr über deinen kommentar gefreut. du bist sicher am richtigen weg.

angenehme nacht noch
thomas

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen