Was uns antreibt. Schnaps mit Kirschsaft und "Oha"-Studiengänge

Dieser Eintrag hätte davon handeln sollen wie ich den Absprung geschafft habe. Wie ich die Kurve gekriegt und mich zusammengerissen habe.

Habe ich aber nicht.

Konnte ich aber nicht.

Depression.

Keine weinerliche Phase, in der einfach alles ankotzt, Depression.

Weg der Besserung.

Meine Katze stirbt, mein Hund bekommt Krebs. Mein Freund känzelt den gemeinsamen Umzug in die Erste gemeinsame Wohnung.

Ich schreibe keine meiner Abschlussprüfungen mit.

Und dann?

Urlaubssemester. Der einzig vernünftige Weg.

Nur wie geht es weiter?
Ich habe nicht einmal mein zweites Semester geschafft, geschweigedenn dass ich im ersten sonderlich brilliert hätte.
Mir schwirren so viele Fragen durch den Kopf.
Ist es das Richtige?
Es fühlt sich richtig an. Es macht Spaß.
Aber kann man Disziplin lernen?

Es erscheint alles so unwirklich. Zum ersten Mal ernsthaft darüber nachgedacht was ich werden wollte habe ich mit 12.
Anwalt oder Arzt.

Mit dem älter werden wurde auch sehr schnell klar, dass Menschen und Naturwissenschaften mir nicht liegen.
Medizin würde ich inzwischen nicht einmal mehr studieren, wenn ich den Studienplatz geschenkt bekäme.
Mein Freund arbeitet gerade an seiner Dissertation, hat elf Semester in Polen und drei in Deutschland hinter sich. Seit sieben Jahren erlebe ich dieses Studium mit.
Seine Eltern sind beide Ärzte - irgendwann bekommt man einen sehr desillusionierenden Einblick hinter die Kulissen.

Ich bin also doch froh, dass es mich nie zur Medizin verschlagen hat - nicht, dass ich mit einem 1,9er Abitur überhaupt eine Chance gehabt hätte einen Platz zu ergattern.

Nur - Anwalt?

Wer Akademikerberufe aufzählt nennt ein paar wenige Beispiele.
Arzt. Anwalt. Ingenieur.
Die "Wow"-Studiengänge.
Die "Oha"-Studiengänge.

Und ich sollte einen solchen Studiengang schaffen?
Ich war nie auffallend gut in der Schule. 15 Punkte im Deutschabitur, 14 in Englisch, 14 in Psychologie, dafür entsprechend schlechte Noten im Matheabi.

Wie sollte ich Jura studieren? Einen "Oha"-Studiengang?
Ich?

So viele Stimmen die sagen, dass ich es nicht schaffe. Dass ich zu faul sei.

Aber auch die wenigen, die an mich glauben.
Meine große Schwester, die jedem so stolz erzählt dass ihre kleine Schwester Jura studiert.
Meine Freunde.

Trotzdem die leise Stimme in meinem Inneren die mir sagt, dass ich nicht das Zeug dazu habe ein Oha zu sein.

Ich gebe mir ein halbes Jahr.

Ein halbes Jahr um mir selbst zu beweisen, dass ich ein Oha bin.

17.9.12 15:12

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


wuestenschnee / Website (19.9.12 21:39)
Bitte, bitte nicht aufgeben.
Du sagst doch, es macht dir Spaß.
Es ist so selten, dass einem sein Beruf wirklich Spaß macht.
Und ich finde einen 1,9er-Schnitt echt nicht so schlecht wie du sagst..
Gib dir nicht ein halbes Jahr.
Gib dir jeden Tag erneut die Chance.
BEWEISE DIR SELBST jeden tag, dass du dieses Studium WILLST, nicht musst.
Schließlich sollte man nicht irgendjemandem etwas beweisen; nicht den Schwiegereltern, nicht der Familie, nicht den Freunden, auch nicht dem Mann.
Nur sich selbst.
Ich arbeite zwar selber erst daran, dass ich anderen nichts mehr beweisen muss, aber...
Es ist halt einfach so.
Und angeblich lebt es sich auch besser, wenn man niht für die anderen lebt, sondern für sich selbst.

Liebe Grüße!

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