Von Neid und roten Fäden, oder: Gut gemacht, durchgefallen!

Zweites Semester, zweite Woche.

Zwischenprüfung 1/4 bestanden - check.

Strafrecht. Korrektor betrunken? Korrektor Sadist?

"Sehr gut, weiter so! Leider durchgefallen."

Amüsement bei dem höheren Semester, dem ich davon berichtet habe.

Zweitkorrektur.

Immernoch "Sehr schön!" Immernoch durchgefallen.


Ich gebe zu ich fühle mich ein wenig einsam im Moment, den roten Faden habe ich irgendwie aus den Augen verloren.

Suche Kater, biete Wollknäuel.

Überforderung, auch wenn ich es mir nicht eingestehen möchte - ich weiß noch immer nicht so recht wo ich anfangen oder wie ich all das organisieren soll.

Lern nicht aus dem Skript, in den Unterlagen der dazugehörigen Übungen ist alles viel schöner zusammengefasst.

Lern aus einem Lehrbuch.

Kauf dir ein Repititoriumsskript.

Ein schier unermessliches Stoffpensum und ich komme nicht in die Puschen, wie man so schön sagt - an sich habe ich noch nicht wirklich überhaupt etwas getan, wenn ich ehrlich bin.

Ich bin unorganisiert und auf Dauer geht es so nicht weiter.
Wo fange ich an?
Wo höre ich auf?
Wo bringe ich den Erstsemesterstoff unter, den ich wiederholen muss?

Die Scheidung meiner Eltern, die finanziellen Schwierigkeiten meiner Schwester, die Arbeit deretwegen ich immerzu Vorlesungen und Übungen schwänzen muss(te) - hundert Gründe.

Ich sollte, ich muss, mich zusammenreißen.

Um mich herum Menschen denen vieles in den Schoß zu fallen scheint.
"Hey, mein Mitbewohner zieht nach Berlin, willst du ein furchtbar großes und furchtbar billiges Zimmer in einer wunderschönen WG?"
Und wider Erwarten ist die Antwort kein erleichtertes Aufatmen und ein "bitte, ja!" sondern ein "Ach, wieso nicht? Dann bleibt mir von den 1000 Euro die meine Eltern mir monatlich zur Verfügung stellen noch mehr übrig um mir ein zwölftes iPad zuzulegen."

Unverständnis, wenn ich sage, dass ich arbeiten muss.
Wieso gehe ich arbeiten? Macht mir das Spaß? Sie haben Respekt, sie an meiner Stelle würden das ja nicht freiwillig machen.

Freiwillig.

Natürlich, natürlich freiwillig. Ich stehe gern am ersten warmen Samstag des Jahres in einem Supermarkt und lasse mich von Kundschaft zum Untermenschen deklarieren.
Langsam und deutlich sprechen. Selbstverständlich duzen.
Du arbeitest an einer Kasse, du musst unterbelichtet sein.

Aber selbstverständlich mache ich all das zum Spaß.

Und ich finde es einfach nur uncool jeden zweiten Tag Essen zu gehen, selbstverständlich.


Im Augenblick fühle ich mich sehr verbittert, frustriert.
Und ich gestehe, ich habe ein wenig Angst vor der Zukunft.


Aber - ich wäre nicht ich, würde ich das einfach so zulassen.
Straffer Zeitplan, wieder ein wenig mehr Sport, einen neuen Job suchen, eine WG.

Von nichts kommt nichts und im Grunde bin ich selbst für all das verantwortlich was mich im Augenblick so nervt.


Und wie Sir Arthur Conan Doyle bereits sagte, Arbeit ist das beste Mittel gegen Verzweiflung.

3.5.12 11:11

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