Das Für und Wider.

Wieso ich mich nicht schon vor vier Wochen eingeschrieben habe?
Weil ich es vergessen habe?
Weil ich zu faul gewesen bin?
Oder weil irgendeine Barriere mich davon abgehalten hat? Die Barriere die mich daran hindert meinen Antrag auf ein Studiendarlehen zu unterschreiben, die mich daran gehindert hat der Wohnung zuzusagen - und das obwohl ein WG-Zimmer wie ein sechser im Lotto ist augenblicklich?


Ich freue mich auf mein Studium, trotzdem hat sich vor geraumer Zeit eine lähmende Angst in meiner Magengegend breitgemacht, die sich nur schwer im Zaum halten lässt.
Genährt wird diese Angst von so vielen Faktoren.
Ich kann die "Oh das ist aber schwer"s nicht mehr ertragen, ich habe die Nase voll von "der Beruf passt nicht zu dir"s, ich kanns nicht mehr hören, dass Menschen die weder mich noch meine Motivation kennen sich anmaßen ein Urteil über meine Ziele und Erfolgschancen zu fällen.

Noch mehr ärgert es mich jedoch, dass ich mich von alledem beeinflussen lasse. Mich verunsichern lasse.
Es ist nicht so, dass ich nicht weiß wie hart das wird, wie hart es wird mich selbst zu überwinden, wie hart es wird meine Gewohnheiten zu ändern. Am ball zu bleiben.

Es hat einen Grund, wieso ich mein Abitur nicht am Gymnasium gemacht habe, machen konnte, wieso ich nur einen Zweierdurchschnitt habe obwohl ich viel besser hätte sein können. Mir ist all das klar - aber es ist meine Entscheidung.

Ich WILL dieses Studium, ich habe mich bewusst dafür entschieden.
Es ist keine Verlegenheitswahl, wie bei so vielen anderen. Da kümmern mich auch Durchfallquoten von knapp 70% nicht, wenn man bedenkt dass grob geschätzt 60% meiner Kommilitonen einfach nur nicht wussten was sie sonst studieren hätten sollen.
ich weiß nicht, ob es das Richtige für mich ist, aber wer weiß das schon, wenn er mit seinem Studium beginnt? Wer kann vorher zu 100% sagen dass es genau das ist?
Dieses Privileg genießen die wenigsten. Privileg? Ja, meiner Ansicht nach schon.

Alles was für mich zählt, ist, dass diese Entscheidung jahrelang in mir reifen konnte, dass es sich jetzt gerade richtig anfühlt und dass ich mich jetzt gerade darauf freue.
Das Gefühl der "falschen Wahl" ist weg - auch wenn die Bedenken ob meines Erfolges doch noch vorhanden sind.
Ich kann an mir wachsen, ich kann für meine Ziele kämpfen.
Ob ich sehr schnell eines Besseren belehrt werde, ob ich mich falsch entschieden habe, ob ich dieses Studium doch nicht packe oder will, das alles weiß ich nicht - das lasse ich auf mich zukommen.

12.9.11 21:13, kommentieren

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Nummer vier.

Man verzeihe mir das Design und das Nicht Vorhandensein jeglicher Randinformationen, jedoch habe ich gerade das Gefühl mein Kopf stünde kurz vor einer Explosion.

Jahrelang wollte ich nirgendwo sehnlicher stehen als hier - mein Abi in der Tasche, (wieder) mit dem Mann zusammen den ich liebe und in bester Aussicht darauf, dass sein vermaledeites Auslandsstudium nun endlich ein Ende hat und wir im Frühjahr zusammen ziehen können. Ich habe meinen ersten Lohn auf dem Konto (und auch wenn es nicht viel ist, nachdem meine Ex-Chefin mich so undankbar im Stich gelassen hat fühlt es sich wahnsinnig gut an wieder über ein wenig Geld zu verfügen) und trotzdem, ich bin unzufrieden.

Geisteswissenschaften. Sprache. Philologie.

Jahrelang sehnte ich dem Augenblick entgegen, da ich mich endlich Studentin nennen darf. Und nun? Nun bin ich zu feige mich endlich zu immatrikulieren.

Bin ich faul? Bin ich einfach zu bequem?

Ich glaube viel mehr, dass es daran liegt dass ich tief im Herzen weiß, dass dieses Studium das Falsche ist.
Oder liegt das einfach daran, dass ich in den letzten Monaten immerzu hörte, dass meine Pläne eine Nummer zu groß für mich seien? Dass das die falsche Wahl sei? Dass ich meinen Talenten nicht genug Rechenschaft tragen würde?

Habe ich Angst davor, dass mir das Berufsleben zu trocken sein wird?

Mir würden genau drei Dinge einfallen, die mir ansonsten Spaß machen würden - in die ich mein Herzblut stecken könnte.
Drei Studiengänge und eine Ausbildung kamen für mich in Frage. Die Ausbildung fällt allein aus gesundheitlichen Gründen flach, ich habe bereits mit meinen 21 Bandscheiben wie eine 40-Jährige, da muss ich mir keinerlei Illusionen machen was eine Tätigkeit bei der Polizei angeht.

Die anderen beiden Studiengänge kommen nicht in Frage, Nummer eins weil ich eine fürchterliche Niete in jeglichen MINT-Fächern war und bleiben werde, egal wie viel Arbeit und Zeit ich in der Schule auch hineinsteckte.
Nummer zwei, weil ich kein Freund der brotlosen Kunst bin.
Was bleibt ist Studium Nummer drei und damit Wunsch Nummer vier.
Wären da nur nicht die leisen (und lauten, wenn es um meine Mutter geht!) Stimmen die mir sagen, dass es das Falsche für mich sei.

Andererseits - wie viel Ahnung haben all diese Menschen, die mir gerade heraus ins Gesicht sagen dass ich nicht in der Lage sei das von mir präferierte Studium erfolgreich abzuschließen?

Versuch' es, denke ich mir. Notfalls wechsle.

Und dann?

Ob ich mir in einem Jahr klarer darüber bin was denn das richtige für mich sei?

Ich höre immer nur was es nicht ist, konstruktive Alternativvorschläge hingegen sind nicht vorhanden.
"Mach doch was mit Sprachen."

Soso. Mit Sprachen. Und was?

Das schlimmste an alledem ist eigentlich nur, dass ich mich so entscheiden werde wie ich selbst es für richtig halte - was daran schlimm sein soll? Ich habe keine besonders große Lust in einem Jahr zugeben zu müssen, dass die bösen Zungen Recht hatten und ich Nummer vier abbrechen muss.

Ich glaube ich werde das tun, was die Stimme der Verzweiflung mir rät - eine Münze werfen.

1 Kommentar 31.7.11 03:34, kommentieren